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Praxis-Talk #4 des Netzwerks Leitbetriebe Pflanzenbau

Aus der Praxis für die Praxis

Thema: Biostimulanzien im Fokus

Biostimulanzien haben in den letzten Jahren zunehmend an Bedeutung gewonnen und das Interesse daran ist stetig gewachsen. Im vierten Praxis-Talk 2024 berichten zwei Betriebsleiter aus dem Netzwerk Leitbetriebe Pflanzenbau von ihren praktischen Erfahrungen mit Biostimulanzien. Prof. Christel Baum von der Universität Rostock ordnete die Beiträge fachlich ein und erläuterte, welche Faktoren die Wirksamkeit von Biostimulanzien beeinflussen.
 

Gesunde Pflanzen, höhere Erträge und weniger Dünger?

Prof. Christel Baum betont, dass die Wirkung von Biostimulanzien in hohem Maße von Faktoren wie Standort, Pflanze und Bewirtschaftung abhängt. Dadurch sei ihre Wirksamkeit schwer vorherzusagen. Laut Baum gibt es nur wenige Ergebnisse aus regionalen Langzeitversuchen zum Einsatz von Biostimulanzien, weshalb es schwierig sei, allgemeingültige Anwendungsempfehlungen für unterschiedliche Standorte zu formulieren
 

„Primär entwickelt wurden Biostimulanzien für wenig fruchtbare Böden. An Standorten mit hoher Bodenfruchtbarkeit ist es weniger wahrscheinlich, dass sie eine Wirkung zeigen.“

Prof. Christel Baum

Bessere Trockentoleranz durch mehr Wurzelwachstum?

Ulrich Schläfer vom Eichelscheiderhof in der Westpfalz experimentiert seit einigen Jahren mit Biostimulanzien. Der Betrieb liegt auf heterogenen, eher sandigen Böden. Pfluglose Bodenbearbeitung und eine vielfältige Fruchtfolge gehören zu den Maßnahmen des Betriebsleiters, um die Bodenfruchtbarkeit zu steigern. In vielen Jahren treten bei den Pflanzenbeständen Trockenstressphasen auf. Um dem entgegenzuwirken, setzt Schläfer zusätzlich Urgesteinsmehl, Microgranulat-Dünger, Pflanzenextrakte sowie Humin- und Fulvosäuren ein. Er ist von deren Wirkung überzeugt und teilte seine praktischen Erfahrungen in der Anwendung.
 

„Ich möchte die Pflanzen vitaler und widerstandsfähiger gegenüber Trockenheit halten. Die Wurzelentwicklung ist deutlich besser, seit wir Biostimulanzien einsetzen, z.B. bei Raps. Das trägt zur Ertragssicherung auf unseren schwachen Böden bei.“

Ulrich Schläfer

Was steckt hinter dem Hype um Biostimulanzien?

Steffen Hünnies arbeitet am Versuchsgut Merklingsen in der Soester Börde. Die Böden am Standort – Pseudogleye und Parabraunerden – sind gut versorgt und liefern Nährstoffe nach. Konsequente Bodenbedeckung sowie pfluglose Bodenbearbeitung sind wichtige Stellschrauben im Ackerbau. Am Standort des Versuchsgutes zeigten Versuchsanstellungen mit Pflanzenextrakten oder Präparaten mit Stickstoff-fixierenden Bakterien keinen deutlichen Mehrwert für die Kulturen Mais, Weizen und Gerste.
 

„An unserem Standort brachten die Präparate keine Vorteile für die untersuchten Kulturen. Ich empfehle Berufskolleg*innen, sich mit anderen auszutauschen und zuerst auf einer kleineren Fläche zu testen.“

Steffen Hünnies

 

Zu diesem Praxis-Talk haben sich mehr als 180 Teilnehmende zugeschaltet und aktiv mitdiskutiert. Dies verdeutlicht nochmals die Aktualität und Präsenz der Biostimulanzien im Ackerbau. Für präzisere Auskünfte sei jedoch, so Prof. Baum, weitere Forschung unerlässlich.